Shilajit, auch als Mumijo bekannt, ist aus traditionellen Medizinsystemen in den modernen Markt für Nahrungsergänzungsmittel gelangt. Heute wird es häufig mit körperlicher Leistungsfähigkeit, Energiestoffwechsel, Männergesundheit, Knochengesundheit und gesundem Altern in Verbindung gebracht.
Das wissenschaftliche Bild ist jedoch deutlich komplexer.
Shilajit ist keine einzelne chemische Substanz. Es handelt sich um eine variable natürliche organische und mineralische Matrix, deren Zusammensetzung von geografischer Herkunft, geologischen Bedingungen, biologischem Ausgangsmaterial, Umweltprozessen und der anschließenden Aufbereitung abhängt.
Diese Unterscheidung ist für die Interpretation wissenschaftlicher Studien entscheidend.
Ein klinisches Ergebnis, das mit einem bestimmten gereinigten und standardisierten Shilajit Präparat erzielt wurde, lässt sich nicht automatisch auf ein anderes Harz, einen anderen Extrakt oder ein anderes kommerzielles Produkt übertragen.
Mehrere Humanstudien haben biologisch interessante Ergebnisse gezeigt. Gleichzeitig ist die Zahl kontrollierter klinischer Studien noch gering, unabhängige Replikationen sind begrenzt und einige häufig zitierte Untersuchungen wurden mit proprietären Präparaten durchgeführt, die von deren Herstellern bereitgestellt oder finanziell unterstützt wurden.
Eine sachgerechte Bewertung sollte deshalb mehrere Fragen voneinander trennen. Was enthält Shilajit? Welche biologischen Wirkungen wurden tatsächlich beim Menschen beobachtet? Wie belastbar ist die Evidenz? Und wie zuverlässig und sicher ist das konkrete Präparat, das verwendet wird?
Was ist Shilajit?
Die Europäische Kommission beschreibt Mumijo, wobei Shilajit und asphaltum panjabinum als Synonyme genannt werden, als ein komplexes Produkt organischen und mineralischen Ursprungs, das durch natürliche Prozesse in Gebirgsregionen entsteht.
Nach Angaben der Kommission ist Shilajit durch Huminsäuren und Fulvosäuren, nicht humine Bestandteile wie Dibenzo Alpha Pyrone sowie verschiedene Mineralstoffe charakterisiert. Gleichzeitig wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass weder Ursprung noch Zusammensetzung einheitlich definiert sind.
Dokument der Europäischen Kommission zu Mumijo und Shilajit
Auch frühere chemische Übersichtsarbeiten beschreiben Shilajit als komplexe Mischung aus Huminstoffen sowie pflanzlichen und mikrobiellen Stoffwechselprodukten und nicht als chemisch einheitlichen Inhaltsstoff.
Agarwal et al., Phytotherapy Research, 2007
Shilajit sollte daher eher als heterogene natürliche Matrix verstanden werden als als Substanz, die durch einen einzigen Wirkstoff definiert ist.
Warum die geografische Herkunft eine Rolle spielt
Shilajit wurde in verschiedenen Gebirgsregionen Asiens und in weiteren Regionen der Welt beschrieben. Die geografische Herkunft kann sowohl das Mineralstoffprofil als auch die relative Zusammensetzung organischer Bestandteile beeinflussen.
Die Herkunft allein erlaubt jedoch keine Aussage über die biologische Qualität.
Die Bezeichnung Altai Shilajit beschreibt in erster Linie die geografische Herkunft. Sie belegt für sich genommen weder eine höhere Wirksamkeit noch eine besondere Reinheit oder Sicherheit.
Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Identität des Rohmaterials, das Reinigungsverfahren, die analytische Charakterisierung und die Untersuchung auf mögliche Verunreinigungen mindestens ebenso wichtig.
Eine europäisch geprägte Übersichtsarbeit zur traditionellen Verwendung von Shilajit kam zu dem Schluss, dass die historische Anwendung umfangreich dokumentiert ist, zahlreiche biologische Aussagen jedoch weiterhin einer ausreichend strengen wissenschaftlichen Prüfung bedürfen.
Wilson et al., Journal of Ethnopharmacology, 2011
Fulvosäuren und Huminstoffe
Fulvosäuren gehören zu den am häufigsten diskutierten Bestandteilen von Shilajit.
Sie gehören zu einer chemisch heterogenen Gruppe von Huminstoffen, die bei der Umwandlung organischen Materials entstehen. Fulvosäuren sind kein einzelnes Molekül. Molekülgröße, funktionelle Gruppen und chemische Eigenschaften können je nach Herkunft deutlich variieren.
Laboruntersuchungen zeigen, dass Huminstoffe und Fulvosäurefraktionen mit Mineralstoffen und anderen chemischen Verbindungen interagieren können. Daraus entstand die Hypothese, dass Fulvosäuren die Löslichkeit, den Transport oder die Aufnahme bestimmter Mineralstoffe beeinflussen könnten.
Solche Hypothesen dürfen jedoch nicht mit klinisch nachgewiesenen Wirkungen gleichgesetzt werden.
Die Bioverfügbarkeit einzelner Bestandteile von Shilajit beim Menschen ist bislang nur unvollständig untersucht. Es gibt derzeit keine belastbare klinische Evidenz dafür, dass Fulvosäuren aus Shilajit als universelles Transportsystem wirken, das Mineralstoffe zuverlässig in menschliche Zellen befördert.
Moderne analytische Forschung untersucht weiterhin die Beziehungen zwischen Huminstoffen, Metallen und potenziell bioverfügbaren Fraktionen. Auch diese Arbeiten unterscheiden jedoch klar zwischen einer chemischen Bindung und einer tatsächlich nachgewiesenen Bioverfügbarkeit beim Menschen.
Kamgar et al., Journal of Trace Elements in Medicine and Biology, 2026
Körperliche Leistungsfähigkeit und Ermüdung
Shilajit wird häufig mit Energie, körperlicher Leistungsfähigkeit und Regeneration in Verbindung gebracht.
Humanstudien liegen vor, ihre Ergebnisse sind jedoch spezifischer, als viele kommerzielle Darstellungen vermuten lassen.
Im Jahr 2019 untersuchten Keller und Kollegen in einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie 63 sportlich aktive Männer. Die Teilnehmer erhielten über acht Wochen täglich 250 mg, 500 mg oder ein Placebo.
Das auffälligste Ergebnis zeigte sich in der Gruppe mit 500 mg. Bei Teilnehmern mit höheren Ausgangswerten der Muskelkraft war der Verlust der maximalen freiwilligen Kraft nach einem ermüdenden Belastungsprotokoll geringer als in der Placebogruppe. Für die niedrigere Dosierung wurde bei diesem Endpunkt kein vergleichbarer Unterschied festgestellt.
Die Studie liefert damit Hinweise auf einen bestimmten Parameter der ermüdungsbedingten Kraftabnahme bei einem standardisierten Präparat. Sie belegt jedoch keine allgemeine Steigerung von Energie oder Ausdauer.
Keller et al., Journal of the International Society of Sports Nutrition, 2019
Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2026 untersuchte täglich 500 mg TruBlk Shilajit Harz über 28 Tage bei 25 gesunden Männern und berichtete Veränderungen bei mehreren Parametern der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Die Studie war offen durchgeführt, verfügte über keine Placebogruppe und umfasste nur eine kleine Teilnehmerzahl. Mehrere Autoren waren mit dem Unternehmen verbunden, das mit dem untersuchten Produkt in Zusammenhang stand. Die Ergebnisse sind deshalb als explorativ und nicht als bestätigend zu bewerten.
Eine anschließende randomisierte Untersuchung desselben proprietären Harzes wurde 2026 als Preprint veröffentlicht. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels war sie noch nicht durch ein Peer Review Verfahren geprüft worden und wurde vom Hersteller des untersuchten Inhaltsstoffes finanziert.
Yadav et al., medRxiv Preprint, 2026
Zusammen rechtfertigen diese Ergebnisse weitere Forschung. Sie zeigen jedoch nicht, dass jedes Shilajit Harz dieselben Wirkungen besitzt.
Shilajit und hormonelle Parameter bei Männern
Eine der am häufigsten zitierten kontrollierten Humanstudien wurde von Pandit und Kollegen in der Fachzeitschrift Andrologia veröffentlicht.
Gesunde Männer im Alter von 45 bis 55 Jahren erhielten über 90 Tage zweimal täglich 250 mg gereinigtes Shilajit oder ein Placebo.
Die Forscher berichteten im Vergleich zur Placebogruppe über statistisch signifikante Veränderungen des Gesamt Testosterons, des freien Testosterons und des Dehydroepiandrosteron Sulfats.
Pandit et al., Andrologia, 2016
Der Kontext der Untersuchung ist wesentlich.
Bei dem untersuchten Präparat handelte es sich um PrimaVie, einen patentierten standardisierten Extrakt des Unternehmens Natreon. In der Veröffentlichung wird eine finanzielle Unterstützung durch Natreon angegeben.
Die Studie zeigt daher einen Effekt, der unter kontrollierten Bedingungen mit einem bestimmten standardisierten Präparat beobachtet wurde. Daraus folgt weder, dass alle Shilajit Produkte den Testosteronspiegel verändern, noch dass Shilajit eine Behandlung für hormonelle Störungen darstellt.
Große unabhängige Studien, die diese Ergebnisse mit anderen, nicht verwandten Präparaten bestätigen, sind weiterhin begrenzt.
Forschung zur Knochenmineraldichte
Eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie, die 2022 in Phytomedicine veröffentlicht wurde, untersuchte 60 postmenopausale Frauen mit Osteopenie.
Die Teilnehmerinnen erhielten über 48 Wochen entweder Placebo oder einen standardisierten wässrigen Shilajit Extrakt in einer Dosierung von 250 mg oder 500 mg täglich.
Untersucht wurden die Knochenmineraldichte an Lendenwirbelsäule und Oberschenkelhals sowie verschiedene biochemische Marker des Knochenstoffwechsels, oxidativen Stresses und entzündlicher Prozesse.
Der Rückgang der Knochenmineraldichte fiel in den Shilajit Gruppen geringer aus als in der Placebogruppe.
Pingali und Nutalapati, Phytomedicine, 2022
Diese Studie gehört zu den längeren kontrollierten Humanstudien zu Shilajit. Ihre Reichweite sollte jedoch nicht überschätzt werden.
Untersucht wurde ein bestimmter standardisierter Extrakt bei postmenopausalen Frauen mit Osteopenie. Natreon stellte die Prüfpräparate und die verwendeten Biomarker Testkits zur Verfügung.
Die Studie liefert keinen direkten Nachweis dafür, dass Shilajit die Beweglichkeit der Gelenke verbessert. Ebenso belegt sie weder eine Behandlung von Osteoporose noch eine Vorbeugung von Knochenbrüchen.
Eine unabhängige Bestätigung mit anderen Präparaten wäre wissenschaftlich besonders wertvoll.
Warum Unabhängigkeit und Replikation wichtig sind
Mehrere positive Humanstudien zu Shilajit untersuchen proprietäre standardisierte Präparate.
Dies ist in der Ernährungsforschung nicht ungewöhnlich, da klinische Untersuchungen ein chemisch definiertes Produkt benötigen. Es führt jedoch zu einer wichtigen Einschränkung.
Ein Ergebnis mit PrimaVie lässt sich nicht automatisch auf ein anderes gereinigtes Harz übertragen.
Ein Ergebnis mit TruBlk lässt sich nicht automatisch auf ein Altai Präparat übertragen.
Eine Beteiligung des Herstellers macht ein Studienergebnis nicht ungültig. Sie erhöht jedoch die Bedeutung einer unabhängigen Replikation.
Die gegenwärtige Humanforschung sollte deshalb eher als Sammlung vielversprechender, präparatspezifischer Beobachtungen verstanden werden und nicht als bereits ausgereifte und unabhängig reproduzierte Evidenz für Shilajit insgesamt.
Antioxidative Aktivität und Aussagen zum Immunsystem
Shilajit und mehrere seiner chemischen Fraktionen zeigen in experimentellen Systemen antioxidative Aktivität.
Einige Humanstudien berichten außerdem über Veränderungen von Biomarkern, die mit oxidativem Stress in Zusammenhang stehen.
Dies ist nicht gleichbedeutend mit dem Nachweis einer Krankheitsprävention oder eines allgemeinen antioxidativen Gesundheitseffektes beim Menschen.
Für weitreichende Aussagen über das Immunsystem ist die Evidenz noch weniger eindeutig.
Eine kritische Übersichtsarbeit im Journal of Ethnopharmacology kam zu dem Schluss, dass die zum damaligen Zeitpunkt verfügbaren Hinweise auf immunmodulatorische Effekte einer kritischen Prüfung nicht ausreichend standhielten und als nicht bewiesen betrachtet werden sollten.
Wilson et al., Journal of Ethnopharmacology, 2011
Breite Aussagen über eine Regulation des Immunsystems oder eine sogenannte Entgiftung erfordern daher deutlich stärkere kontrollierte Humanstudien als derzeit verfügbar sind.
Warum die analytische Qualität entscheidend ist
Natürliche Herkunft bedeutet nicht automatisch Sicherheit.
Shilajit entsteht in engem Kontakt mit geologischem Material und kann eine große Bandbreite verschiedener Elemente enthalten.
Analytische Untersuchungen haben Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und weitere Elemente nachgewiesen. Gleichzeitig wurden auch potenziell toxische Elemente wie Blei, Cadmium, Quecksilber, Nickel und Thallium gefunden.
Die Konzentrationen unterscheiden sich deutlich zwischen einzelnen Proben.
Aldakheel und Kollegen untersuchten Shilajit mit mehreren modernen analytischen Verfahren und beschrieben erhebliche Unterschiede bei ernährungsphysiologisch relevanten und potenziell toxischen Elementen.
Aldakheel et al., Biological Trace Element Research
Im Jahr 2025 untersuchten Kamgar und Kollegen gezielt die Konzentration von Thallium in natürlichem Shilajit und kommerziellen Nahrungsergänzungsmitteln. Sie fanden deutliche Unterschiede zwischen den Produkten und betonten die Bedeutung regelmäßiger analytischer Kontrollen und standardisierter Prüfverfahren.
Kamgar et al., BMC Chemistry, 2025
Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2026 analysierte zwölf Shilajit Proben unterschiedlicher geografischer Herkunft. Auch hier zeigte sich eine erhebliche Variabilität der elementaren Zusammensetzung. In diesen konkreten Proben lagen die untersuchten toxischen Metalle unter den von den Autoren verwendeten toxikologischen Grenzwerten.
Kamgar et al., Journal of Trace Elements in Medicine and Biology, 2026
Aus diesen Arbeiten ergibt sich eine klare praktische Schlussfolgerung.
Mineralstoffprofil und Schadstoffgehalt eines konkreten Produktes lassen sich weder aus der Bezeichnung Shilajit noch aus Farbe oder geografischer Herkunft zuverlässig ableiten.
Produktspezifische Analysen sind entscheidend.
Enthält Shilajit mehr als 80 Spurenelemente?
Die Aussage, Shilajit enthalte mehr als 80 Mineralstoffe oder Spurenelemente, findet sich häufig in traditioneller Literatur und in kommerziellen Beschreibungen.
Moderne analytische Untersuchungen bestätigen, dass Shilajit ein breites und komplexes Spektrum mineralischer Elemente enthalten kann. Die genaue Zahl und die jeweiligen Konzentrationen unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen einzelnen Proben.
Eine konkrete Angabe zur Anzahl der Mineralstoffe in einem bestimmten kommerziellen Produkt sollte deshalb idealerweise durch einen analytischen Bericht für dieses Produkt oder die jeweilige Charge belegt werden.
Wissenschaftlich präziser ist die Aussage, dass Shilajit eine variable Bandbreite natürlich vorkommender mineralischer Elemente zusammen mit Huminstoffen und weiteren organischen Verbindungen enthält.
Rohes und gereinigtes Shilajit sind nicht gleichwertig
Unverarbeitetes Naturmaterial kann mineralische Partikel, Umweltverunreinigungen oder unerwünschte Konzentrationen bestimmter Metalle enthalten.
Studien mit gereinigtem und standardisiertem Shilajit können daher nicht als Sicherheitsnachweis für nicht identifiziertes Rohmaterial verwendet werden.
Reinigung, Identitätsprüfung und Kontrolle auf Verunreinigungen gehören zu den zentralen Qualitätsanforderungen, wenn Shilajit als Nahrungsergänzungsmittel verwendet wird.
Sicherheit und Verträglichkeit
Veröffentlichte Humanstudien berichten im Allgemeinen über eine akzeptable Verträglichkeit der jeweils untersuchten gereinigten Präparate während der jeweiligen Studiendauer.
Eine Übersichtsarbeit zur Sicherheit stellte jedoch fest, dass die Daten aus Humanstudien im Vergleich zur langen traditionellen Anwendung und zur experimentellen Forschung begrenzt sind.
Stohs, Phytotherapy Research, 2014
Die vorhandene Evidenz weist wichtige Einschränkungen auf.
Die meisten klinischen Studien sind relativ klein. Mehrere Studien schließen sorgfältig ausgewählte Teilnehmer ein. Personen mit bedeutenden chronischen Erkrankungen oder komplexen Medikamentenregimen werden häufig ausgeschlossen.
Hinzu kommt, dass sich die chemische Zusammensetzung verschiedener Produkte unterscheiden kann.
Das Fehlen schwerwiegender Nebenwirkungen in einer kleinen Studie ist deshalb kein Beweis für eine universelle Sicherheit jedes Shilajit Produktes in jeder Bevölkerungsgruppe.
Schwangerschaft und Stillzeit
Ausreichende Humandaten zur Sicherheit von Shilajit während Schwangerschaft und Stillzeit liegen nicht vor.
Da Shilajit aus einer komplexen und variablen Mischung organischer Substanzen und Mineralstoffe besteht, kann eine routinemäßige Anwendung in Schwangerschaft oder Stillzeit derzeit nicht als ausreichend klinisch belegt angesehen werden.
Die Produktinformationen von LongaVita empfehlen deshalb, Shilajit während Schwangerschaft und Stillzeit nicht zu verwenden.
Produktinformationen zu Altai Shilajit bei LongaVita
Chronische Erkrankungen und Wechselwirkungen mit Arzneimitteln
Zuverlässige klinische Studien zu Arzneimittelwechselwirkungen sind selten.
Das Fehlen dokumentierter Wechselwirkungen bedeutet nicht, dass Wechselwirkungen ausgeschlossen sind.
Shilajit enthält eine variable Mischung organischer Verbindungen und mineralischer Elemente. Einige experimentelle Untersuchungen befassen sich zudem mit metabolischen, hormonellen und entzündlichen Signalwegen.
Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Personen, die verschreibungspflichtige Arzneimittel einnehmen, sollten eine Anwendung daher mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson besprechen und Ergebnisse aus Studien mit gesunden Teilnehmern nicht unmittelbar auf die eigene Situation übertragen.
Besondere Vorsicht erscheint sinnvoll, wenn die Behandlung die Regulation von Blutzucker, Blutdruck, Blutgerinnung, hormonellen Funktionen oder Immunprozessen betrifft, da gezielte Interaktionsstudien fehlen.
Welche Dosierungen wurden tatsächlich untersucht?
Es gibt keine allgemein anerkannte, evidenzbasierte Standarddosierung für Shilajit.
Klinische Studien verwendeten unterschiedliche Präparate und unterschiedliche Dosierungsschemata.
Pandit und Kollegen untersuchten zweimal täglich 250 mg über 90 Tage.
Pingali und Nutalapati untersuchten 250 mg oder 500 mg täglich über 48 Wochen.
Keller und Kollegen untersuchten 250 mg und 500 mg täglich über acht Wochen.
In der TruBlk Pilotstudie aus dem Jahr 2026 wurden 500 mg täglich über 28 Tage verwendet.
Diese Dosierungen beschreiben ausschließlich die jeweiligen Studienpräparate. Sie definieren keine universelle optimale Dosierung für jedes Shilajit Produkt.
Ein natürliches Harz und ein standardisierter Trockenextrakt können sich erheblich in Konzentration und Zusammensetzung unterscheiden.
Was wissen wir über eine langfristige Anwendung?
Die langfristige Sicherheit von Shilajit ist bislang nicht ausreichend charakterisiert.
Die 48 Wochen dauernde Studie bei postmenopausalen Frauen liefert wertvolle Informationen zu einem bestimmten standardisierten Präparat. Sie beantwortet jedoch nicht die Frage nach einer kontinuierlichen Anwendung über mehrere Jahre.
Große prospektive Studien zu langfristigen klinischen Ergebnissen in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen fehlen.
Aussagen, nach denen Shilajit nachweislich für eine unbegrenzte dauerhafte Einnahme geeignet ist, gehen deshalb über die derzeitige klinische Evidenz hinaus.
Wie wird Shilajit in der Europäischen Union regulatorisch eingeordnet?
Die Europäische Kommission hat Mumijo, Shilajit und asphaltum panjabinum ausdrücklich im Rahmen der Verordnung EU 2015/2283 über neuartige Lebensmittel geprüft.
Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass Mumijo bei Verwendung als oder in Nahrungsergänzungsmitteln nicht als neuartiges Lebensmittel gilt.
Für die Verwendung in anderen Lebensmitteln gilt eine andere regulatorische Einordnung.
Entscheidung der Europäischen Kommission zum Novel Food Status von Mumijo und Shilajit
Diese regulatorische Einordnung ist nicht mit einer Bestätigung therapeutischer Wirksamkeit gleichzusetzen.
Der rechtliche Status eines Inhaltsstoffes und die Zulässigkeit gesundheitsbezogener Aussagen sind voneinander getrennte Fragen.
Wissenschaftliche Evidenz kann die Diskussion von Forschungsergebnissen rechtfertigen. Sie erlaubt jedoch nicht automatisch dieselbe Aussage als kommerziellen Health Claim.
Was die Wissenschaft bislang nicht belegt hat
Im Internet wird Shilajit mit einer sehr großen Zahl medizinischer Wirkungen in Verbindung gebracht.
Die aktuelle klinische Literatur rechtfertigt viele dieser Aussagen nicht.
Es gibt keine ausreichende hochwertige Humanforschung, um Shilajit als etablierte Behandlung für Herz Kreislauf Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Alzheimer Erkrankung oder andere chronische Krankheiten anzusehen.
Ein systematischer Review aus dem Jahr 2026 untersuchte die verfügbare Forschung zu Shilajit und Krebs. Es wurden neun geeignete Studien identifiziert. Sämtliche Arbeiten waren präklinisch. Geeignete klinische Humanstudien wurden nicht gefunden.
Laborergebnisse können weitere Forschung begründen. Sie belegen jedoch keine therapeutische Wirksamkeit beim Menschen.
Wie sollte die Qualität von Shilajit bewertet werden?
Der wissenschaftliche Wert eines Shilajit Produktes hängt weniger von eindrucksvollen Beschreibungen seiner Gebirgsherkunft ab als von überprüfbaren Qualitätsmerkmalen.
Dazu gehören dokumentierte Herkunft, Reinigungsverfahren, analytische Charakterisierung, Untersuchungen auf potenziell toxische Elemente, mikrobiologische Kontrolle und transparente Herstellerinformationen.
Forschung an einem proprietären Extrakt sollte nicht als unmittelbare klinische Validierung eines anderen kommerziellen Harzes dargestellt werden.
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Die in diesem Artikel diskutierten klinischen Studien wurden mit bestimmten Forschungspräparaten durchgeführt und sind nicht als direkte klinische Studien des LongaVita Produktes zu verstehen.
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Fazit
Shilajit ist ein chemisch komplexes natürliches organisches und mineralisches Material mit einer langen Geschichte traditioneller Anwendung und wachsendem wissenschaftlichem Interesse.
Moderne analytische Forschung bestätigt erhebliche Unterschiede in der organischen und mineralischen Zusammensetzung verschiedener Präparate.
Humanstudien berichten über potenziell relevante Beobachtungen zu hormonellen Parametern, Knochenmineraldichte und bestimmten Messgrößen der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Die Qualität der Evidenz ist jedoch uneinheitlich.
Mehrere Studien umfassen relativ kleine Teilnehmergruppen. Einige untersuchen proprietäre Extrakte, die von Herstellern bereitgestellt oder finanziell unterstützt wurden. Unabhängige Replikationen sind weiterhin begrenzt.
Auch die Evidenz zur langfristigen Sicherheit, zu Arzneimittelwechselwirkungen und zur Anwendung in verschiedenen Risikogruppen ist noch unvollständig.
Die wissenschaftlich sinnvollste Frage lautet deshalb nicht, ob Shilajit allgemein wirksam ist.
Entscheidender ist, ob ein konkretes Präparat ausreichend charakterisiert, gereinigt und geprüft wurde und ob die behauptete Wirkung mit genau diesem Präparat in methodisch geeigneten Humanstudien untersucht wurde.
Diese Unterscheidung ist zentral für eine verantwortungsvolle Bewertung natürlicher Produkte.
Quellen
- European Commission. Consultation request for determination of novel food status. Mumijo, synonyms Shilajit and asphaltum panjabinum. Regulation EU 2015/2283. 2020. Originaldokument der Europäischen Kommission.
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- Wilson E, Rajamanickam GV, Dubey GP, Klose P, Musial F, Saha FJ, Rampp T, Michalsen A, Dobos GJ. Review on Shilajit used in traditional Indian medicine. Journal of Ethnopharmacology. 2011;136(1):1 to 9. DOI 10.1016/j.jep.2011.04.033. Originalpublikation.
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Dieser Artikel dient ausschließlich wissenschaftlichen und edukativen Zwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen weder eine abwechslungsreiche Ernährung noch eine angemessene medizinische Betreuung.